Endlich unterwegs, von Mcloud Ganj nach Palampur, 17 Mai

Erster Tag unterwegs, von Mcloud Ganj nach Palampur 17. Mai

Erfahrungsgemäß sind die ersten 2 bis 3 Tage auf dem Fahrrad, sagen wir mal, ein wenig schwierig. Klima, Höhenluft, Geographie, Gepäck und Kondition sind noch nicht ganz im Einklang miteinander. Alleine das Wissen darüber, das es bald besser wird und sich Leid in Freude verwandelt, verhindert das ich einfach im nächsten Hotel absteige und warte, bis mein Rückflug geht. In 2 Wochen, gut „Eingeritten“, werde ich beim Rückblick auf diese Gedanken mit Sicherheit schmunzeln.

Also, ich bin endlich unterwegs. Aber eigentlich auch nicht so richtig. Irgendwie fühlt es sich noch nicht ganz nach „Weg“ an. Abends ein Hotel mit Dusche, Bett und WiFi. Per WLAN schnell zuhause anrufen und alle Dinge des Tages besprechen, noch ein paar Emails beantworten und einen Beitrag online stellen. Hmm, so schön es auch ist mit der Heimat in Verbindung zu stehen und die tollen Rückmeldungen zu erhalten, irgendwie fühlt sich das noch nach  „Methadonbackpacker“ an.
Nun ja, spätestens ab kommender Woche wird sich das schlagartig ändern. Kein Hotel, kein WiFi und kein Telefonnetz mehr. Ab dann ist meine Kommunikation mit der Heimat auf 160 Zeichen pro Nachricht begrenzt, mehr geht nicht über das InReach / Imarsat Gerät. Bis es so weit ist, habe ich noch Ca.190 km Trainingsstrecke zur Verfügung.

Heute habe ich mich zwischen 900 und 2000 Meter aufgehalten, der größere Teil ging bergab. Dennoch habe ich nach 41 Km das Radeln eingestellt und mir eine Bleibe gesucht. Die sehr steilen Anstiege in der brütenden Hitze (36 Grad) haben sozusagen einen Wadenkurzschluss gelegt und nun ist Regeneration angesagt. Wir wollen den ersten Tag ja nicht übertreiben und die Akklimatisation ruhig angehen, ich bin ja schließlich 3 Wochen hier.

An den Verkehrsverhältnissen hingegen habe ich mich sehr gut akklimatisiert, das einzige was echt Aggro macht, ist den ganzen Tag dieses Gehupe. Einmal hupen, ich bin da. Zweimal hupen, ich fahre vorbei. Dauerhupen, mein Hirn ist zuhause. Ob die Adaption an diesen Verkehrsverhältnisse gutes verheißt für meinen künftigen Kontostand in Flensburg, da bin ich mir nicht wirklich sicher. Vielleicht demontiere ich zuerst die Hupe aus meinem Auto oder belege nach diesem Urlaub erst einmal einen Integrationskurs bei meinem Bruder, der ist Fahrlehrer. Vom Verkehr habe ich ein paar kleine Videos gedreht, die kann mein Bruderherz in seinem Unterricht einbinden ;-).

Die Versorgung mit Essen ist in dieser Region noch völlig unkompliziert, der Weg ist gepflastert von Garküchen, Restaurants, Bäckereien und dergleichen. Heute habe ich MoMos probiert. Eine Art gedünstete Teigtasche mit vegetarischen Krimskrams drin und scharfe Soße drüber. Egal was drin war, die 10 Stück waren sehr lecker und bisher bekömmlich. Dieses Mittagessen hat mit ganzen 40 Rupien zu Buche geschlagen, die unfassbare Summe von 57 Eurocent.

 

Heute gibt es nicht so viel zu erzählen, ich war ja in der Hauptsache mit Leiden beschäftigt. Dafür füge ich euch noch ein paar Bilder ein.

 

Gruß
Phil

  6 comments for “Endlich unterwegs, von Mcloud Ganj nach Palampur, 17 Mai

  1. saBiene
    17. Mai 2017 at 8:48 PM

    Phlippo du Vagabund – aufbrechen- die vertraute Spur verlassen – dem Leben begegnen- sich einlassen- ausrichten auf das was gerade vor dir liegt…. eine große Besonderheit von Dir! Toll, ich bewundere dein großes Vertrauen in das Leben und deine Neugierde.
    Es ist fantastisch auch in der vertrauten Heimat dich ein Stück auf deiner Reise begleiten zu dürfen.
    Tauche ein in dein ganz persönliches Abenteuer und wenn die Lust hast – teile es mit uns einwenig.
    Eine Wunder- volle Reise wünsche ich dir , herzlichst SaBiene

    • 21. Mai 2017 at 5:13 PM

      Meine liebste saBiene, du Menschenfreund. Danke für deine liebe Zeilen. Ich nehme euch und andere gerne mit auf meine Reisen, es ist kein Hexenzauber dieses zu tun. Vielleicht kann ich Leser anstiften einfach mal hinaus in die Welt zu fahren und andere Menschen zu begegnen. Ich erfahre hier vor Ort, sehr viel Gastfreundschaft, begegne Arme aber liebenswerte Menschen und schaffe eine Wertschätzung für die eigene Lebenssituation. Auch wenn mal das ein oder andere schwierig ist, diese Reise ist eine Bereicherung.

  2. marci
    17. Mai 2017 at 10:55 PM

    Hi Phil,
    wow, ich will auch Bilder von Dir sehen 🙂 Hol Dir so ein Pod-Stand, stell den mit Deiner Kamera/Handy an den (geeigneten) Straßenrand und Radel mal vorbei 🙂 Da gibt’s doch sicherlich ein paar spektakuläre Bilder 🙂
    Ich denk an Dich und habe schon mal mit Zuhilfenahme Deiner Packliste ein Häufchen Reise-Utensilien im Wohnzimmer aufgetürmt 🙂
    VG

    • 21. Mai 2017 at 5:17 PM

      Hi Marci,
      du bist doch selbst ein erfahrener Bike Backpacker und mit allen Wassern gewaschen wenn es ums Reisen und Fahrräder geht ;-). Nimm aber nicht alles aus meiner Packliste mit, sonnst brauchst 2 Anhänger und kannst nur Bergab fahren. Es ist meine Checkliste nach dem Thema brauch ich / brauch ich nicht auf dieser Reise. ICh habe einen Stand mit, aber ehrlich … bin zu faul um das aufzubauen …

      Dir auch eine unfallfreie Fahrt, erlebe viel und kom gesund wieder, cu@München
      Gruß aus Manali
      Phil

  3. Caico Vincenzo
    21. Mai 2017 at 9:31 AM

    Buongiorno amico mio ,
    sei bravissimo,die 350 Kilometer du vorhast , sei vorsichtig im Gedanken bin ich bei dir ,tolle Bilder super geschrieben, sobald du zurück bist und Zeit hast solltest du über ein Buch zu schreiben nachdenken? den es ist so schön,und ich würde die Ehre haben die erste Vorlesung im Kaffeeladen vorzustellen in liebe Vincenzo

    • 21. Mai 2017 at 5:29 PM

      Hallo amico mio,
      schön deine Zeilen zu lesen. Welche Strecke ich fahren kann wird sich wahrscheinlich bis zum 25.05 klären. Der Rothang Pass soll dann wieder öffnen. Der geht von Manali (2000 m) hoch auf knap 4000 meter. Sollte es in diesem Jahr nicht klappen ist es die erste Region wo ich unbedingt noch mal hinmöchte. Der Himalaja ist so beeindruckend das mir wirklich die Worte fehlen. Es ist schon hart 6 Monate zu planen, hierhin zu kommen und quasi vor verschlossener Tür zu stehen. Aber das Wetter können wir zum Glück nicht beeinflussen und in 3 Meter hohen Schnee komme ich mit meinem LKW-Fahrrad wahrscheinlich nicht durch ;-).

      Wenn ich wirklich mal ein Buch veröffentliche dann wird die erste Lesung garantiert in deinem Laden stattfinden, da freue ich mich schon drauf.

      Lieben Gruß aus dem Vorgarten des Himalaja
      Phil

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