Endlich APE gefahren, Palampur – Mandi, 18. Mai

Endlich bin ich mit einer APE gefahren, von Palampur nach Mandi 18. Mai

Wie soll ich mein Tag beschreiben, endlich bin ich Vespa Ape gefahren oder jetzt bin ich richtig unterwegs. Diejenigen die meinen gestrigen Beitrag gelesen haben verstehen was ich meine.

Doch zurück zum Ende des letzten Beitrags.
Gestern Abend habe ich in Palampur noch einen Spaziergang gemacht, war köstlichst in einem lokalen Restaurant essen und habe noch einen Hindu Tempel besucht. Der Übergang vom budistischen Dharamschala zu der Region wo die Hindu Religion gelebt wird ist sehr deutlich sichtbar. Überall am Wegesrand stehen reich versierte Tempel.

 

Das Hotel wo ich genächtigt habe war für indische Verhältnisse richtig super. Leider meinte eine Hunde Gang gegen 3 Uhr morgens einen Höllenlärm zu veranstalten welcher über 30 Minuten dauerte. Hiervon wachgeworden musste ich erstmal ein Aspirin auspacken um meine Kopfschmerzen zu eliminieren, war doch wohl zu viel Sonne gestern. Gerade als ich wieder ins Bett gehen wollte fingen die Vierbeiner wieder an zu kleffen. Also habe ich mich angezogen und bin mit meiner Taschenlampe auf den Balkon meiner 2en Etage gegangen. Unten auf der Straße veranstalteten ungefähr 10 Hunde ein Mordstheater. Also schaltete ich meine Taschenlampe ein, leuchtete das Rudel an und lies einen Schrei los. Vorerst hat es gereicht, um die Kleffbande zu verscheuchen, nach 50 Meter drehten sie aber um und kamen wieder. Daraufhin habe ich mal den in der Lampe integrierten Elektroschocker eingeschaltet. Das Geräusch aus der zweiten Etage hat ausgereicht dass die Bande das weite suchte und der Rest der Nacht Ruhe im Karton war. Außer um mein Benzinkocher anzuzünden habe ich den sowieso noch nie eingesetzt.

Am nächsten Morgen mache ich mich gegen 09:20 ohne Frühstück wieder auf den Weg, ich war noch satt vom Vorabend. Das Radeln war erst noch ein wenig steif, aber nach einigen Kilometern fühlte sich das schon viel besser an als am Vortag. Ich finde endlich meinen Tritt, Kadenz, Rundlauf und Gang passen jetzt irgendwie wieder. So lege ich an diesem Tag 79 Km per Rad zurück und bewältige dabei 2 Bergpässe. Drei Kilometer habe ich mich von einem Bagger ziehen lassen und 25 Kilometer bin ich hinten auf einer Ape mitgefahren.

Fangen wir bei dem Teil mit dem Radfahren an. Es lief irgendwie sehr gut. Dennoch kurz vor dem Mittagessen hatte ich einen Tiefpunkt am Berg, konnte da aber am zunehmenden Verkehr schon erahnen das bald ein Ort kommen musste. So war es da auch und sofort am Eingang befand sich ein Restaurant der gehobenen (indischen) Klasse. Als ich mich an einem Tisch setzte, hörte ich neben mir 3 Damen deutsch sprechen. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus das die Tochter / Enkelin, welche 9 Monate NGO Arbeit in Dharamshala verrichtet, von Mutter und Großmutter besucht wurde. Bestimmt ein tolles Erlebnis für Frau Großmutter.

Nach dem Mittagessen lief es wieder besser, die Pause und die Nahrungsaufnahme waren eine gute Sache für die Kondition. Es stellte sich heraus das der kurz hinter dem Restaurant liegende Ort Ahju hieß wo ich den Bahnhof besichtigte. Ich hatte nämlich kurz vorher ein Zug vorbeifahren sehen. Euhm ….streiche Fahren, setze schleichen. Wenn man einmal durch die Eingangstür des Bahnhofsgebäudes gegangen ist verändert sich sofort das Raum Zeit Kontinuum und man befindet sich im Jahr 1943. Das war sehr skurril und die Informationstafeln sehr lustig. Am besten fand ich den vorm Gebäude angebrachten Lageplan, zum Schreien für ein 3 Quadratmeter großen Bahnhof.

Besichtigt (von Außen) habe ich noch die Schule von Ahju, ich möchte nämlich ein wenig Material sammeln für einen versprochenen Vortrag in der Klasse meiner Twinns. Vielleicht bekomme ich es hin das ich mal an einem Unterricht teilnehme, da kümmere ich mich später noch mal drum.

Nach Ahju passiert nicht mehr viel, zumindest wenn man sich an den indischen Verkehr adaptiert hat. Ein Zeitgenosse musste ich leider in den Allerwertesten treten, er streifte mit seinem Roller schon mein hinteres Gepäck um dann gegen eine rechte Lenkerseite zu stoßen. Er hat sofort verstanden das ich nicht in den Graben springe und auf meinem Platz bestehe, ist nach rechts ausgewichen und weitergefahren. War doch bisher alles so entspannt? Die Inder sind mir gegenüber in der Regel sehr höflich, viele grüßen und rufen „hello Sir“ oder „hello M. Sahib“. Einer fuhr heute neben mir und sagte „M Sahib, you are so cute“. Bei all dieser Freundlichkeit grüße ich immer zurück, bedanke mich und verteile ebenfalls höfliche Komplimente. Im übrigen ist es meine erste Reise wo ich andauernd fotografiert werde.

An einer Baustelle jubelten die Arbeiter „M.Sahib good Bicyle“ und fragten ob sie mich fotografieren dürften. Also hielt ich an und machte mein freundlichstes Gesicht. Der Vorarbeiter knipste mit seinem Handy drauf los und war total begeistert. Also stieg ich ab, gab ihm mein Rad in der Hand und nahm sein Handy ab. Als ich ihn ablichten wollte standen sofort alle Arbeiter um Ihn herum, ich machte noch ein Bild mit der eigenen Kamera, bedankte mich und fuhr weiter. Es macht Spaß Menschen mit solchen Kleinigkeiten eine Freude zu bereiten.

Auf der Strecke seit Ahju geht es fast nur Bergauf und so erreiche ich wieder meine Ausgangshöhe von Dharamshala (1800 Meter). Endlich oben angekommen herrscht Stau wegen Straßenarbeiten, nur der Gegenverkehr kann rollen. Ich steige ab und schiebe mein Rad an der Baustelle vorbei und kann nun eine Abfahrt genießen ohne Verkehr von Hinten, die stecken ja alle oben fest. Ein paar Kilometer weiter ist wieder eine Sperrung wegen einer Baustelle, ich fahre bis ganz nach Vorne. Als unsere Spur freigeben wird, geht es hinter dem ersten Taxi mit 40 bis 45 kmh bergab. Ich hänge mich an seiner Stoßstange, zumindest solange es bergab geht. Als ein kleiner Anstieg kommt überholen mich 3 Autos und ein Buss. Die Jungs mit den Bussen machen für niemand platz und fahren in einem Höllentempo.
Da es wieder Bergab geht, mache ich mir das sofort zu Nutzen. Ich bleibe bei gut 45 kmh mit ca 20 Meter Abstand hinter den Bus was mir eine absolut freie Fahrspur bietet. Von hinten will keiner den Bus überholen solange es bergab geht und die von der Gegenspur machen Platz, um nicht von diesem Ungetüm überrollt zu werden. Nach ca 10 Kilometer ist dieser Höllenritt vorbei, ich brauche eine Pause, eine Cola und einer meiner Karamellriegel, Nervennahrung.

Es ist schon später Nachmittag und mir ist klar das ich Mandi heute nicht im hellen erreichen kann. Da ich auf keinem Fall bei Dunkelheit auf diesen Straßen unterwegs sein möchte, fange ich an nach einem Hotel Ausschau zu halten. Jedoch .. Pustekuchen. Entweder war keins da, befanden sich im Bau oder hatten schlichtweg nicht geöffnet. Mangels geeignetem Platz um das Zelt aufzustellen bleibt mir nur in die Pedale zu treten. Als ich mich gerade wieder einem Hang Hochkämpfe höre ich von hinten ein langsames Gefährt ankommen. Eine Baumaschine. So ein Teil mit Vorne Schuppe und hinten Grabarm. Ich lasse den Bagger überholen, lege anschließen einen kleinen Sprint ein und halte mich an der hinteren Schaufel fest. Fahrer und Mitfahrer finden das sehr lustig und ich werde wieder auf irgend einem Handyspeicher abgelegt. Im Vergleich zu der Fahrt hinter dem Bus war diese Nummer echt schräg, aber er fuhr mit 25 kmh den Berg hoch, ich schaffe dort maximal 6 kmh. Als der Bagger anhällt um in einer Einfahrt abzubiegen, verabschiede ich mich von den Jungs und fahre weiter.
Plötzlich merke ich am Hinterrad ein schwammiges Gefühl, der erste Platte der Tour. Murphy’s law. Es ist spät, Gewitter zieht auf, ich bin müde, es sind noch 25 Km, bis zu einer Übernachtungsmöglichkeit und ich fahre einen platten. Was macht man dann? Klar, reparieren. Als ich gerade der Reifen wieder aufpumpe, kommt eine Ape vorbeigeknattert, ich winke, aber der Fahrer düst weiter. Plötzlich höre ich wie die Ape zurückkommt und dann auch noch neben mir parkt. Kurze Verhandlungsphase, für 250 Rupien werde ich mitgenommen. Die 3,5 € für die verbleibenden 25 Kilometern sind mir ja egal, aber das ist wie ein Pakt mit dem Teufel. Da muss man ja augenscheinlich auch nicht viel hergeben für eine verlockende Leistung. Ich beschließe das ganze „op Kölch“ zu nehmen: et het noch immer joot gegange.

Für Europäer ist es Hölle so eine Fahrt aus der „Pritschensicht“ auf indischen Straßen zu absolvieren. Ich komme mir vor als ob die Ape der fahrende Ritter (Bus bei Harry Potter) wäre , der macht sich auch immer superschlank, wenn es Eng wird. Als es noch anfängt zu regen bin ich froh das ich genaustens weis wo jeder einzelne Ausrüstungsgegenstand verpackt ist, vor ich nass werde habe ich meine Regenjacke an. Als wir in Mandi ankommen ist es dunkel, aber ich bin sehr erleichtert.

Auf meinem Weg in das Zentrum komme ich durch total enge Gassen voller Geschäfte. Da passen keine Autos durch aber da fahren sogar die hupenden Roller. Bei der Suche nach einem Hotel werde ich von Händler 2x aufgefordert bei ihnen einen Tee zu trinken, ich komme den Einladungen nach und erfahre wo es Hotels in der Stadt gibt.

 

 

Leider waren die ersten 5 ausgebucht so das ich letztendlich nur Glück in einem Guesthouse habe. Der Hygiene Standard ist so das ich beschließe heute nicht mehr zum Klo zu müssen und eine Katzenwäsche reicht. Ich werde eine Plane aufs Bett auslegen und darauf meine Matratze. Ich bin mir sicher, tagsüber wird mein Badezimmer als örtlicher Schlachthof benutzt. Brr. hier bleibe ich keine Minute länger als nötig. Morgen fahre ich ins Ca. 70 Km. Entfernte Kullu, sofern die Strecke flach ist, sollte dem nichts entgegenstehen. Vorher muss ich noch ein wenig Geld tauschen, denn unterwegs war dies nicht möglich.

CU
Phil

  4 comments for “Endlich APE gefahren, Palampur – Mandi, 18. Mai

  1. saBiene
    21. Mai 2017 at 9:51 PM

    wir brauchen keine Bücherlesung zur Guten- Nacht, wir sitzen stattdessen vor deinem Blog- Klara und ich.
    Die beste Vorlage für abenteuerreiche Träume.
    Philippo pass auf dich auf und lass dich nicht aus der Spur werfen.

    Das Bild vom Bautrupp gefällt uns ganz besonders gut. Bussi

    • 22. Mai 2017 at 2:28 PM

      Hallo saBienchen und Klärchen, ich kann doch nur punktuell meine Erlebnisse niederschreiben, es gibt noch so viel zu erzählen. DAs holen wir dann auf eine der Wanderungen oder Feierlichkeiten nach. Vielleicht setzen wir uns auch einfach mal zusammen und ich halte mal einen Vortrag über die Highlights meiner Reisen…. da gibt es noch viel vor dem Zeitalter des Blogs ;-). Cu Phil

  2. Kay
    21. Mai 2017 at 10:45 PM

    Ich guck auch kein Fernsehn mehr 😉 Nein, im Ernst sehr spannend! Pass auf dich auf!

    • 22. Mai 2017 at 2:25 PM

      Hi Kay, sehr schön das meine Reise euch unterhällt. Und hier ist alles super Entspannt, ich komme wieder Heim ;-). Cu Phil

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