Neue Freundschaft, Kullu – Manali 20. Mai

Neue Freundschaft, Kullu – Manali 20. Mai

Ich schlafe lange an diesem Tag, Nachholbedarf. Bei der noch zu absolvierenden Strecke bis Manali kein Thema, gute 45 Km am Fluss entlang werden eine Kaffeefahrt. Gegen 10:30 Uhr mache ich mich noch einmal auf den Weg ins Zentrum um mich mit Bananen, Mangos und Brötchen einzudecken. Als ich auf den Bürgersteig stehe und mir die das Geschehen der Einkaufsstraße anschaue werde ich plötzlich von hinten angeschubst, als ich mich umdrehe, steht da eine Kuh.

Klar, was auch anders, ich gehe einen Schritt zur Seite und Frau Kuh flaniert weiter den Bürgersteig entlang. Wahrscheinlich war sie auf Shopping Tour. Auf der Kreuzung regelt ein Polizist den Verkehr und seine Ballet Aufführung ist wirklich sehenswert. Ein Passant erklärt mir der stünde dort 6 Tage die Woche und macht das 7 Std. am Tag, Haleluia. Das Video werde ich hier auf jeden Fall noch nachreichen wenn ich wieder Breitbandinternet zur Verfügung habe.
Nach dem Genuss dieser Tanzeinlage mache ich mich auf den Weg nach Manali. Ich beschließe die alte Straße NW des Flusses zu nehmen, mehr Höhenmeter aber weniger Verkehr. Am nördlichen Rand von Kullu befindet sich das Logistik Zentrum der Stadt. Das mag sich erst einmal komisch anhören hat aber einen Hintergrund. Kullu liegt 50 km vor dem Rothang Pass. Der Rothang pass ist das Eingangstor nach Ladakh / China und Tibet.

Aus dem Kullu Tal, auch Tal der Maharajas genannt, ist es der einzige Weg in den Norden. Die Straße hat kommerzielle und strategisch militärische Bedeutung. Dies ist auch der Grund warum neben dem Rothang Pass, der nur wenige Monate im Jahr befahrbar ist, ein neuer Tunnel entsteht. Also in diesem Logistik Zentrum stehen hunderte von Tata LKW, selbstverständlich in, typisch für Indien, den buntesten Ausführungen. Das diese LKW dort stehen und nicht auf der Straße unterwegs sind bestätigt die Gerüchte, das der Pass gerade geschlossen ist aber kurz vor der Freigabe für den Verkehr steht.

 

Das hält mich nicht davon ab weiter Richtung Norden nach Manali zu fahren. Gelegentlich gibt die Strecke den Blick frei auf die Berge vor mir. Dieser Anblick motiviert mich unheimlich. Auf einen der Anstiege sehe ich hinter einer Kurve einen anderen Backpacker. Ich überhole und tippe ihn auf seiner Schulter und halte ein paar Meter weiter in einer kleinen Bucht an. Rajid ist Tamile und ist schon 3000 km durch Indien geradelt auf seinem Weg nach Leh in Ladakh. Wir beschließen den Weg nach Manali gemeinsam zu bestreiten.

Unterwegs tauschen wir viele Informationen, welche für beide hilfreich sind. Ich erfahre vieles über Indien, seiner Kultur, dem Kastensystem, Land und Leute. Bei mir hat sich ja mittlerweile ein Reisetempo ohne „Zieldruck“ eingestellt aber Rajid ist der Chillfaktor schlechthin. Alle 10 km halten wir zum Tee, einer Mahlzeit oder einfach nur so. Vielleicht stellt sich so ein Reisetempo nach 3000 km ein?

 

Auf jeden Fall erreichen wir Manali im Dunkeln und werden erschlagen vom „Las Vegas“ von Nord Indien. Hier im Vorgarten des Himalaja ist die Hölle los. Als wir von Busbahnhof in Richtung Fußgängerzone, ja ihr lest richtig eine Fußgängerzone, gehen ist es kaum möglich vorwärts zu kommen. Kurz überlege ich, wo ich falsch abgebogen bin und wieso ich mich gerade im Menschenstrudel beim Rundgang um Mekka befinde. Doch die Selfi Taliban holen mich wieder in die Realität zurück. Selbst Rajid schaut ein wenig konsterniert zu wie mich die Menschenmassen anstarren und Fotos mit meinem Rad / mit mir und meinem Rad machen. Wahrscheinlich ist mein Fahrrad schon der Star auf pinterest.in und ich weis von nichts.
Nach dem obligatorischen Tee machen wir uns auf der Suche nach einem Hotel. Schlechte Karten abends im Dunkeln in einer überlaufenen Stadt, zumal wir ein Hotel suchen, wo die Räder mit aufs Zimmer dürfen. Im Zweierteam meistern wir diese Aufgabe nach 45 Minuten mit Bravour, Rajid ist der König im Auskundschaften und ich im Fahrrad festhalten. Mangels Angebot beschließen wir das ausgekundschaftete Zimmer zu teilen.

Nachdem wir uns eingerichtet haben gehen wir Downtown um … ja richtig einen Tee zu trinken. Als wir in der Fußgängerzone eine Pause machen spricht uns ein älterer Herr, selbst Tourist in Manali, an. Er ist Inder, gehört der höchsten Kaste und Geschäftsmann. Er ist sehr interessiert an unsere Vorhaben und wir erzählen unsere Geschichten. Wir werden zum Abendessen eingeladen, ein fantastisches Vorhaben mit, für Indien, gewohnt kulinarischen Explosionen. Die Inder sind begeistert das ich die „Spicy dishes“ so toll finde und wie lokal üblich mit den Händen esse. Herr XXXX schließt seit 30 Jahren sein Geschäft für 2 Monate im Jahr, um dann mit seiner Frau auf Tour zu gehen. Früher als Bergsteiger, doch seit einem Unfall vor 8 Jahren, mit dem Motorrad. Hier kann man überal Royal Enfield Motoräder mieten, um durch den Himalaja zu reisen, vielleicht mache ich das auch mal mit meiner angetrauten (Katrienchen 2x lesen ,-).
Es war ein sehr schöner Abend mit sehr netten Leuten, wir haben auf jeden Fall unsere Kontaktdaten ausgetauscht und eine Einladung nach XXXX war inklusive.

Abends im Hotelzimmer kümmere ich mich noch um Rajids Fahrrad, in diesem Zustand kommt er nicht in Leh an. Das Hinterad hat ein Achter, großes Lagerspiel und die Bremsflanken sind annähernd runter. Die Schaltung funktioniert nicht sauber, die Kette ist runter, die hinteren Bremsen hängen und die Bremsklötze sind hinüber. Repariert und eingestellt wird was geht mit meinen Bordmitteln und ich gebe Ihm eine ToDo Liste mit. Da der Pass geschlossen ist, will er Morgen wird er nach Kullu um die Dinge richten zu lassen. Gegen 12:45 geht das Licht aus, gute Nacht.

Phil

  5 comments for “Neue Freundschaft, Kullu – Manali 20. Mai

  1. saBiene
    22. Mai 2017 at 9:54 PM

    Philippo- der radelnde Bollywood- Star
    Philippo- der europäische Helfer in der Not
    Philippo- der Bike- Versteher
    Philippo- der Freund für alle Fälle

    mal wieder eine sensationelle Gute- Nacht – Geschichte für uns zwei ! Danke, hab auf dich acht.

  2. Kay
    22. Mai 2017 at 10:58 PM

    *-)

  3. Holgi
    22. Mai 2017 at 11:27 PM

    Komme mir gerade vor wie der komplette Zivilisationsspießer, dessen Weltgefüge schon zerbricht, wenn im Eisfach kein Creme Brulee Eis mehr ist…
    In der Hoffnung, dass du den Großteil deiner Eindrücke im Kopf behältst, freue ich mich jetzt schon auf deinen Live-Bericht bei einem gemeinsamen Kaltgetränk. Von mir aus auch mit Spicy Dishes. 🙂

    Rinnjehaun und weiter so
    Holgi

    • 23. Mai 2017 at 11:44 AM

      Hi Holgi, Creme Brulee währe aber auch nicht schlecht, hier zu meinem Kashmir Lamm ;-).
      Erzählungen bei Kaltgetränk hört sich gut an..
      Cu Phil

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