Erzwungener Abschied, 25. Mai, Rothang – Tandi, Himalaja, Indien

Erzwungener Abschied, 25. Mai, Rothang – Tandi, Himalaja, Indien

Wie bereits im vorherigen Bericht geschrieben war dieser Morgen besonders beeindruckend und einprägsam. Ich wollte den Gipfel so gar nicht verlassen, aber den durch die Wetterwarnung erzwungenen Abschied war nicht aufzuhalten. Also fange ich nach ein paar Stunden „Umgebung aufsaugen“ dennoch an mein Kram zusammenzupacken. Diese Aktionen werden natürlich von meinen indischen Freunden beobachtet und jeder Bus, der oben anhält muss ich als Selfiemodel zur Verfügung stehen und erklären aus welchem Land ich komme, ob ich verheiratet bin, was mein Beruf ist, ob ich Kinder habe usw.

Neben dieser Unwegsamkeit ist da noch eine andere, ich bin noch gar nicht an dieser Höhe gewöhnt. Schwindel und leichte Kopfschmerzen begleiten den Ablauf des Einpackens. Während ich meine Luftmatratze einpacke, hat sich ein Kleinwagen neben meinem Zeltplatz hingestellt (Taxi), der Fahrer steigt aus und die indische Familie bleibt sitzen da offensichtlich ein Ehestreit im Gange ist. Ich denke mir OK, kommt in den besten Familien vor, vielleicht sollten die 2 das Kind außen vor lassen. Also rolle ich schön meine Matratze ein und lerne dabei, wie sich Streit auf Indisch anhört. Bei jedem Ausrüstungsgegenstand, den ich verstaue wird die Akustik aus dem Schuhkartontaxi lauter, ich denke mir OK, sehr schwerer Ehestreit und mache weiter. Als ich jedoch gerade mein Zelt verstaue, flippt der Inder komplett aus und will seine Frau vermöbeln. Ich weis ja nicht was da in Indien Sitte ist – ist mir auch egal -, aber ich ziehe den Typ aus seinem Taxi und erkläre ihm, das hier gerade irgendetwas schief läuft. Ich weise Ihm an er soll sich 5 Meter weiter hinsetzen, um sich zu beruhigen. Irgendwie habe ich wohl sehr bedrohlich gewirkt, er ist brav meiner Anweisungen nachgekommen.
Da ich die Situation nicht zusätzlich aufheizen wollte, habe ich mich um „Frau Inder“ mal nicht gekümmert und mein Kram weiter eingepackt. Der Typ hat mich dabei angeschaut wie ein begossener Pudel. Als ich alles verstaut hatte, gab es ein „Männergespräch“ und ich habe ihn von seiner Strafbank entlassen, mehr konnte ich irgendwie nicht umsetzen. Auf jeden Fall haben alle wieder im Auto gesessen und miteinander geredet.

Da es bereits Mittag ist, muss ich mich jetzt aber auf den Weg machen, sonnst finde ich keine Bleibe vor es dunkel wird.
Die Abfahrt ist abenteuerlich, stellenweise ist gar keine Straße mehr da und an andere Stellen sind Flussbett und Straße miteinander vereint. Was ich sehr gut merke, ist das die tieferen Lagen mein Wohlbefinden steigern, am Abend befinde ich mich auf gute 3000 Meter. Der erreichte Ort heißt Tandi und ist ein Loch. Ich möchte weder weiterfahren noch in diesem Loch schlafen, daher fahre ich ein Stück zurück zu einer Siedlung. Wie sich herausstellt, ist da auch kein Guesthouse aber eine Apfelbaumplantage. Ich frage den Besitzer freundlich und erhalte die Genehmigung dort für eine Nacht zu schlafen. Da ich noch völlig durch bin vom Anstieg des letzten Tages, erledige ich an einer Bewässerungsrinne mit Gletscherschmelzwasser die Abendtoilette und bin 10 Min. später eingeschlafen.

Cu
Phil

 

TATA LKW sind überall

Der neue Rothang Tunnel im Bau

Nachtlager zwischen Apfelbäumen

Landwirtschaftlich geprägtes Gebiet

Immer wieder schöne Landschaften

Hans, geh mal Wasser holen.

 

 

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