Holzstapel und Dastare, 29. Mai, Kishtwar – Batote, Indien

Holzstapel und Dastare, 29. Mai, Kishtwar – Batote, Indien

Eine Nacht neben einer Moschee während des Ramadan, Beschallung bis zum Sonnenuntergang und ab Sonnenaufgang. Bin ich froh in Kishtwar in Indien zu sein und nicht in Finnland im Sommer. So hatte ich wenigstens 5 Stunden ruhe von der Zwangsbeschallung. Vorteil: Ich bin früh wach und auch recht früh auf der Bahn. Ich möchte wieder selbst das Ruder in die Hand nehmen und mein Wohlbefinden nicht einem indischen Taxifahrer überlassen, also trete ich heute wieder in die Pedale. Die Piste habe ich eh hinter mir gelassen, ab Heute wird wieder Asphalt geschrubbt. Somit musste ich vor der Abfahrt noch mein Reifendruck anpassen, 1,3 bis 1,6 BAR reichen für den festen Untergrund. Kette schmieren und Lenkrad, nach dem Feindkontakt zwischen Taxidach und Felsen, wieder ausrichten und ab geht es. Ich möchte diese laute Stadt erst einmal hinter mir lassen, bevor ich ein Frühstück zu mir nehme, also kaufe ich nur zwei Flaschen Wasser, 4 Bananen und eine Mango vor das Ortsschild hinter meinem Rücken zurückbleibt.


Es geht oft Bergab, klar ich fahre aus den Bergen aus 4000 Meter heraus in flachere Gegenden, da muss es unweigerlich mehr Bergab als bergauf gehen. Ein entgegenkommender Motorradfahrer ist so begeistert als er mein Rad sieht, das er mit seinem Beifahrer umdreht, mich einholt und darum bittet anzuhalten. So viele Menschen sind hier so freundlich und zeigen offen Ihre Begeisterung, wie oft ich gehört habe „Nice Cycle“ kann ich schon gar nicht mehr sagen. Auf jeden Fall ist der Motorradfahrer unverkennlich ein sikh, als Zeichen seines Glaubens trägt er Vollbart und den Turban, der bei den Sikhs Dastar heißt. Sein Bart hat er mit einem Tuch eingebunden, um ihn zu schonen, ein Bild, das ich noch des öfteren sehen werde je näher ich an Amritsar komme. Nun ja der Kollege mit dem eingepackten Bart ist auf jeden Fall herzerfrischend freundlich und es endet selbstverständlich mit dem obligatorischen Selfie, was ihn sehr glücklich macht.


Ungefähr gegen 11:00 Uhr passiere ich einen stapel Holzbalken, ooh, was schreibe ich hier, welch Untertreibung. Ich fahre voller Staunen und Ehrfurcht an einem gigantischen überdimensionalen Schiffscontainerfüllenden Holzstapel vorbei. Ja diese Beschreibung trifft es ungefähr. Das sieht irgendwie wie Jenga oder Mikado für Riesen aus, ich verstehe bis heute nicht wie die Arbeiter das da alles gestapelt haben, von Hand versteht sich. Als ich ein paar Fotos mache kommen die Holzschlepper selbstverständlich raus, lassen sich sehr stolz und gerne fotografieren und einer demonstriert sogar, wie das Holz verladen wird. Tatsächlich stehen da schon 4 beladene LKW, diese werden mich am späten Nachmittag noch überholen. Na auf jeden Fall hat dieser Haufen Eindruck auf mich gemacht, das ist ja auch alles Handarbeit, was da liegt.
Nachdem ich wieder weiterfahre, sehe ich schon wieder 2 Militärhubschrauber am Himmel, ich muss noch mal Informationen einholen, in Kishtwar habe ich nichts gehört.

Nach 75 Kilometer komme ich an meinem geplanten Tagesziel an, Pustekuchen kein Hotel, kein Guesthouse und kein Homestay zu finden. Alle Informationen die ich erhalte sagen, 25 Kilometer weiter fahren bis Batote. So ein Mist! Mir bleibt ja nicht viel anderes übrig als weiterzufahren, allerdings mache ich hinter Batotte erst einmal rast in einem Restaurant. Es wird mal wieder ein sehr gesprächiges Essen und ich lerne dabei den Bürgermeister des Ortes kennen. Mein Kartenmaterial findet großes Interesse und mein Fahrrad ist eh die ganze Zeit umlagert. Nach, ja sicher, die Fotosession mit den Selfieisten geht es weiter in Richtung Batote.


Nach gute 93 Kilometer haben Hitze und Anstieg Oberhand und ich schnappe mir eine Mitfahrgelegenheit auf einem Pickup. Er fährt zwar nicht bis nach Batote, kann mich ein Stück weit mitnehmen bis zu seinem Dorf. Nicht nur das ich freundlicherweise mit Ihm mitfahren durfte, nein der gute Mann lädt mich auch noch zu einem Tee ein und Geld will er für die Fahrt gar nicht annehmen. Das Teehaus und er wollen nur die üblichen Informationen von mir haben.

Danach erkundige ich mich noch nach den Weg und fahre weiter. Der letzte Anstieg ist gute 9 Kilometer lang und steil, aber nach 3 Kilometer erwische ich einen leeren Taxi-Microbus.

Ich lasse mich zum nächsten Hotel bringen, es ist auch das einzige weit und breit, sonst wäre ich da nicht geblieben. In diesem Hotel hatte ich noch nicht einmal fliesend Wasser :-(.

Vor ich zu Bett gehe kommuniziere ich noch, mangels Internet, über mein Delorme mit der Familie. Ich hatte darum gebeten auf der Seite vom Auswärtigen Amt nachzuschauen ob es Vorbehalte für eine Reise zur Stadt Jammu gibt. Hier gab es lediglich die Warnung in Jammu Menschenansammlungen und Demonstrationen fern zu bleiben. OK, ich hatte eh nicht vor zu demonstrieren, obwohl… vielleicht für bessere Hotels.

Im Zimmer räume ich das Bett komplett ab und lege meine Matratze auf die Holzkonstruktion des Betts, ich bin so müde, dass ich sehr schnell schlafe. Gut, das ich schnell Schlaf finde, den ich brauche am nächsten Tag alle Körner (das wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht 😉

Gruß

Phil

 

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