Wurmlöcher und Sikh, 31. Mai, Jammu to Pathankot, Punjab, India

Wurmlöcher und Sikh, 31. Mai, Jammu to Pathankot, Punjab, India

Es war einfach HERRLICH nach ein paar Übernachtungen in diverse Müllsortierhallen, eine Nacht in einem sauberen Zimmer mit Dusche und Klimaanlage zu schlafen. Sogar das Bett und die Bettwäsche habe ich benutzt, verrückte Sache. Ich habe vorerst mein Erträglichkeitslimit an angeranzte Hotels erreicht, da ich nun in dichter besiedeltes Gebiet unterwegs bin, sollte es möglich sein eine anständige Übernachtungsmöglichkeit zu finden.

Also verlasse ich Jammu wohlgenährt und sauber in Richtung SO, auf nach Pathankot, die nächstgrößere Stadt. Vom meinem Hotel, das Meridian Palace, sind es genau 110 Kilometer zum Stadtzentrum von Pathankot. Da das Thermometer bereits über 30 Grad anzeigt, wird es bestimmt eine kuschelige Fahrt, also ausreichend trinken. Da habe ich ja mittlerweile Übung drin, jeden Tag passieren zwischen 5 und 8 Liter Flüssigkeit meine Mandeln und verlassen meinen Körper überwiegend über die Hautporen.

Die Fahrt raus aus Jammu gibt mir, glaube ich zumindest, einen Eindruck davon was Menschen empfinden welche LSD konsumiert haben. Ich sehe hunderte Fahrzeuge binnen 30 Sekunden, alle fahren quer durcheinander. Ja, in Indien herrscht Linksverkehr, aber das interessiert keinen. Egal ob Fußgänger, Tucktuck, Radfahren oder LKW, alle 30 Meter gibt es Geisterfahrer und das bei völlig zugestopften Straßen. Gleichzeitig überqueren Hunde, Kühe, Rad- und Motorradfahrer diesen Blechfluss. Der tosende Motorenlärm wird von einem permanenten Hupkonzert und schreiende fliegende Händler begleitet. Neben den Abgaswolken der Euro MINUS 16 Gefährte dringen die unterschiedlichsten Gerüche, von Garküche über Urin bis zum Müllberg zu einem durch. Als ich nach diesen beschriebenen 25 Metern Straße auf die Hauptstraße abbiege, wird es schlimmer. Aber nichts für ungut, nach 13 Kilometern Stadtfahrt wird es ruhiger, die Luft deutlich besser und ich finde sogar ein nettes Lokal, wo ich ein Frühstück zu mir nehmen kann, ein wohlverdientes darf hier bemerkt werden.

Es ist abartig warm heute, als ich um 11 Uhr auf das Thermometer schaue haben wir schon 40 Grad. Am 24. Mai, genau eine Woche her, hatte ich nachts noch -12 Grad und nun triefe ich mit über 40 Grad Außentemperatur über die Asphaltstraßen, mein Körper muss mich für völlig durchgeknallt halten. Aber ich habe zum Mittagessen eine kühlende Überraschung für denselben parat. Ich finde eine EISDIELE und das Eis ist so abartig lecker das ich, sehr zur Freude des Besitzers, nach und nach acht kugeln Eis und 3 Softdrinks als Mittagessen vertilge. Meine Geschmacksknospen spielen total verrückt und mein Körper jubelt über die Quelle der Abkühlung und so setze ich meine Fahrt, vollgepumpt mit „Zuckerglückshorme“, fort.

An einer langen Steigung sehe ich einen Mikro-Bus der gerade anfährt, ich lege einen kurzen Sprint ein und kann mich anhängen. Der Bus ist voller Schulkinder, sie sind hellauf begeistert über den unerwarteten Besuch. Wir bleiben für ca. 4 Kilometer zusammen, in dieser Zeit bekomme ich Diplome gezeigt, Fragen gestellt, Lieder vorgesungen. Die Freude und Begeisterung in den Augen der Kids zu sehen macht mir richtig Spaß und so wird der Abschied nach dieser sehr kurzen Begegnung begleitet von energischem Winken und Jubeln.

In Höhe von Lakhanpur wechsele ich vom Bundesstaat Jammu und Kashmir über eine Brücke in den Bundesstaat Punjab. Es ist nicht zu vergleichen mit einem Übergang von Nordrhein-Westfalen nach Rheinland-Pfalz, sondern eher wie ein nahtloser Übergang von Flensburg nach München Stadt. Nicht nur die Verkehrsführung ist deutlich anders, die Infrastruktur ist in einem besseren Zustand, der Durchgangsverkehr wird aus den Dörfern rausgehalten und andere Fahrzeuge bestimmen das Bild des Ortsnahmen Verkehrs.

Im Bundesstaat Punjab, übersetzt Fünfstromland, gehören die Mehrheit der Bevölkerung, nämlich 58 Prozent (2011) der Religionsgemeinschaft der Sikhs an. Der Sikhismus ist in dieser Region entstanden und hat hier, mit dem goldenen Tempel von Amritsar, ihr wichtigstes Heiligtum.

Als ich Pathankot erreiche, halte ich an einem Hotel außerhalb des Ortes aber weder Preis noch Zustand sagen mir zu, also fahre ich in die City rein. Anfänglich habe ich noch die Befürchtung wieder kein vernünftiges Zimmer zu finden, dies war jedoch unbegründet. Nicht weit vom Busbahnhof entfernt finde ich ein tolles Hotel mit allen Annehmlichkeiten.

Der Spaziergang durch die City führt mich über einen lokalen Wochenmarkt und durch eine Einkaufsstraße wo, soweit ich es beurteilen kann, alles was man braucht erhältlich ist. Mein Abendessen finde ich an einem kleinen Stand in der Stadt, das es sich in den Gehwegfugen vor dem Stand einige Großfamilien Schaben gemütlich gemacht haben stört mich dabei nicht wirklich. Das Essen schmeckt, wie eigentlich immer, vorzüglich. Als ich mich nach dem Abendessen zurück zum Hotel durchwühle, kommt plötzlich aus einer Seitenstraße ein Mann mit einer 3 Meter langen Eisenstange in der Hand und rennt damit unbeirrt auf die Straße. OMG, ich sehe schon das Massaker vor meinen Augen, rumfliegende Köpfe von den 35 Roller Fahrern die sich gerade auf den 0,75 m² Asphalt um den Eisenstangenmann bewegen. Doch, ….. nichts dergleichen passiert. Der Eisenstangenmann entschwindet in einem indischen Wurmloch und überquert die Straße unbehelligt, auch die Rollergangs entschwindet unbehelligt.

Leider ist mein Handy am letzten Tag abhandengekommen, so kann ich euch kein Video vom Verkehr aus Pathankot zeigen. An dieser Stelle einfach mal einen Ausschnitt vom Verkehr in Amritsar wo ich mit dem Fahrrad durchfahre. Vielleicht noch erwähnenswert dabei habe ich ein Eis gegessen ;-).

 

Gruß

Phil

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