Montag 23.06.2014 bis Mittwoch 25.06.2014 Zestaponi, Chiatura, Agara, Tiflis

Montag Zestaponi über Chiatura nach Agara

Am Vortag sind wir abends einfach mal zum Taxistand gefahren und haben dort nach einer Transportmöglichkeit für uns und unsere Räder nach Chiatura gefragt. Das Glück ist wieder mit den sorglos reisenden, David, einer der Taxifahrer spricht deutsch. Er war drei Jahre in Oldenburg, was er dort genau gemacht hat vernebelt sich in diffusen Antworten, wir haken einfach nicht weiter nach. Auf jeden Fall kennt er alle Möglichkeiten und die unterschiedlichen Preise der Transporte. Wir entscheiden uns erneut für die Bahnfahrt, etwas was die Georgier nicht verstehen. Die Bahn würde doch einen schlechten Komfort bieten? Ehrlich …wenn ich den brauchen würde währe ich im Happy Club auf Bula Hula und nicht mit dem Rad in Georgien. Ein wahrlich schwer zu vermittelnder Inhalt.
Wir bringen unsere Räder zum Motel und David holt uns dort ab, wir fahren gemeinsam zum Bahnhof. Dort erfahren wir das der Zug nach Chiatura um 06:13 Uhr abfährt, wir sollen den späteren mit 2 Wagons nehmen da der mit 4 Wagons nach Tiflis fährt. Die Informationen reichen uns, David fährt uns wieder ins Motel. Ich habe noch nie erlebt das sich ein Taxifahrer entschuldigt das er für seine Dienstleistung im Anschluss auch Geld verlangt. Ich beruhige David und erkläre Ihm er habe uns sehr geholfen, und die 10 Lari Fahrpreis währen inklusiver Touri-Zuschlag für uns vollkommen in Ordnung – Leben und Leben lassen. Als er uns wieder am Motel absetzt gibt er uns noch seine Handynummer für den Fall das wir mal einen Übersetzer oder sonstige Hilfe benötigen.
Die Nacht schlafe ich nicht gut, stellenweise friere ich, es sollte ein Vorbote sein für das was Folgen würde. Auf jeden Fall verschlafen wir das erste mal auf dieser Reise, 05:47 Uhr! In einem Affenzahn packen wir unsere 7 Sachen zusammen und springen auf unsere Ponnys um einen Morgensprint in Richtung Bahnhof hinzulegen. Als wir dort ankommen steht der Zug mit den 4 Wagons auf dem Gleis, alles klar, der Zug mit den 2 Waggons kommt danach. Ich finde noch gerade die Zeit mir am Bahnsteig die Zähne zu putzen als der Zug nach Chiatura einrollt.
Diesmal verläuft die Fahrt ohne fliegende Händler, dafür ist die Aussicht aus dem Zug wunderbar. Mir wird während der Fahrt kalt, ich ziehe meine Softshelljacke über. Als wir am Bahnhof ankommen lassen wir uns vom GPS zu einem Cafe lotzen, so finden wir auch die Haupteinkaufsstraße der Stadt. Nach dem abfahren der Haupstraße sagt uns das Kaffee: „Cafe Sophie comme il faut“ am meisten zu. Im nachhinein wissen wir das sich das „comme il faut“ auf Sophie beziehen musste und nicht auf den Kaffee. Der Kuchen und das Georgische Käsebrot zum Frühstück waren hingegen lecker, irgendwie gehört der Käse mittlerweile zu unserem Alltag.

Nach dem Frühstück machen wir ein wenig Sightseeing und ich beobachte aus einigen ruhigen Ecken, bewaffnet mit einem 300er Tele, das Treiben der lokalen Bevölkerung. Bevor wir uns wieder auf den Weg machen müssen treffen wir den unendlich mutigen Entschluss, oder Wahnsinnigen, mit der Kabelbahn zu fahren. Wir entscheiden uns für die kleinere der beiden, sie schnellt in einem Affenzahn in einem mindestens 65 Grad steilen Winkel nach oben. Ob unsere Stoßgebete oder unser gejammere uns heil nach oben gebracht hat können wir im Nachhinein nicht mehr nachweisen. Geschadet hat es auf jeden Fall nicht. Zumindest waren wir abgelenkt :-). Nun waren wir oben und konnten einige technische Details der Bahn begutachten, es war nicht unbedingt eine vertrauensbildende Maßnahme für die noch bevorstehende Abfahrt! Oben durften wir von den anwesenden Polizisten nicht fotografieren, es befand sich dort der Ein- und Ausgang zu einem Bergwerk. Soviel wir verstehen konnten wohl ohne Schächte.
Von dem oberen Teil der Anlage konnten wir dennoch ein paar Bilder machen, sie erinnerten uns sehr stark an einen Ort nahe unsere Heimat: Die Westernstadt im Phantasialand.

Es kam was kommen musste, der Abstieg! Als wir die Kabine betraten viel mir am Kommandostand ein glühender Faden auf, zuerst dachte ich „OK, ein Heizstrahler“. Jedoch Josh erkannte es besser, die Dame von der Zentralkontrolle der Kabelbahn hatte einen elektrischen Heizstrahler, so einer ohne Gebläse, auf den Rücken gelegt und grillte darauf gerade ihr Mittagessen. Leider war ich nicht schnell genug mit der Kamera, das Bild ist komplett verschwommen.
Nach der Abfahrt machten wir uns wieder auf den Weg, wir wollten schließlich zeitnah wieder in Tiflis eintreffen. Was wir nicht ahnten war das sich zwischen unserem Ziel und uns ein kleiner 980 Meter hoher Pass befand. Bei bewölktem Wetter und kaltem Wind hatte ich nach den ersten Anstiegen kein trockenes Shirt mehr zur Verfügung und mir ging es nicht wirklich gut. Zu dem schloss sich Joshs Wohlbefinden solidarisch dem meinigen an. Kraft- aber nicht Willenlos kämpften wir uns über den Pass. In der Abfahrt mussten wir irgendwo verwertbare Kalorien nachwerfen. Das Lokal war eine offene Bretterbude aber das schaschlik war sehr lecker. Nach der Pause nahmen wir wieder die Fährte auf, da wir mittlerweile über den Kamm waren. Das bergab fahren lief besser, als die Form erwarten lies.

In Gomi trafen wir wieder auf die 1 die von Kutaisi nach Tiflis führt. Die Haupversorgungsader für Georgien, zumindest auf dem Landweg. Wir fahren weiter Richtung Gori, einige Kilometer vor Agara treffen wir auf Gernot. Seine Webseite ist http://www.aliens-world.de. Er ist pensionierter Offizier der Luftwaffe und gerade mal unterwegs um die Welt per Rad zu umrunden. Start war am 01. Mai 2013. Wir trafen ihn kurz nach seiner Bewältigung von Km 13.000! Josh bleibt heute bei dieser Zahl noch die Spucke im Hals stecken, das degradiert unseren Trip zu einem … ,,Ich gehe mal Zigaretten im Supermarkt holen“. Da es mir wirklich nicht gut geht, wollen wir zügig weiterfahren um im nächsten Hotel eine Unterkunft zu beziehen. Wir vereinbaren vorher ein Treffen in Tiflis.
Als wir das Hotelzimmer nach 70 Kilometer bezogen haben ging es irgendwie Schlag auf Schlag. Auf jeden Fall war es für mich kein entspanntes ausklingen des Tages. Mit 38,5 Fieber auf der Kloschüssel mit einem Mülleimer in den Händen hat irgendwie etwas verkrampftes an sich. Ich bin heilfroh im Hotel und nicht im Zelt zu sein. Josh ist etwas besser dran, er hat jedoch einen Zug auf sein Ohr abbekommen und hat entsprechend Schmerzen.

Dienstag 24.06.2014 von der Kloschüssel in den Transit

Unsere hervorragend ausgestattete Apotheke hilft uns entscheidend die Situation bis zum nächsten Morgen zu stabilisieren. Auf jeden Fall habe ich diese Nacht überlebt. Als man uns Mittags höflich auffordert auszuchecken oder eine Nacht nachzubuchen verlassen wir das Hotel.

Unsere Vernunftsentscheidung die Tour genau hier, 107 Km vor dem Ziel, abzubrechen war bereits gefallen. Unsere Rettung, ja die war auch schon unterwegs. Hierzu benötigten wir lediglich eine Mail an Natia, die „Zentralorganisatorin“ des Hotel Kartli und ein paar Stunden Später war die Rettung, in Form eines roten Ford Transit, in Agare vor Ort. Kurz vor Eintreffen der „Rettungswagens“ treffen wir noch einen Chinesischen Weltenbumler, er kam per Rad aus China.

Wie wir auf der Rückfahrt erfreut feststellen konnten, haben wir lediglich 100 Kilometer Schnellstraße und Autobahn verpasst. Kein wirklicher Verlust bei dem was wir bisher gesehen haben.

Mittwoch 25.06.2014 Erholung in Tiflis

Die Nacht war hervorragend, wir haben bis 10 Uhr durchgeschlafen und uns beiden geht es deutlich besser. Wir sortieren im laufe des Tages unsere Sachen und gehen nachmittags noch ein paar Mitbringsel in der Stadt besorgen. Für den morgigen Tag haben wir einen Geländewagen gemietet und werden noch zu 2 Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Tiflis fahren.

Lieben Gruß aus Tiflis
Josh und Phil

  2 comments for “Montag 23.06.2014 bis Mittwoch 25.06.2014 Zestaponi, Chiatura, Agara, Tiflis

  1. Holgi
    25. Juni 2014 at 9:54 PM

    Hey Phil und Josh,

    spannende Seilbahn, das. Bungee Jumping kickt garantiert nicht so wie ne Fahrt mit dem Ding.
    Gut, Phil, dass es dir wieder besser geht. Da fährt man 3 Wochen durch Georgien, und am Ende erwischt einen Montezumas Rache. Wie gut, dass ihr n Hotel um euch rum hattet, statt Zelt/Wiese/Hagelschlag.
    Genießt noch die letzten Tage, ab Sa. beginnt dann die Resozialisierung 😉

    Freitag wollen Boris und ich, sofern es das Wetter zulässt, erstmalig in diesem Jahr Mayschoß bezwingen.
    Seit dem Harz haben sich unsere Prioritäten deutlich in Richtung Airtime verschoben…
    Wenn du mal Lust/ Zeit hast, Josh, kannst du ja mal bei unserer Mi.MTB-Tour mit radeln, wäre cool.
    Bekommst dann auch wieder ne AMERICAN SPIRIT von mir 😉

    Bis dahin viele Grüße und eine gute Heimreise
    Holgi

    • 25. Juni 2014 at 10:09 PM

      Hi Holgi,
      der treue Kommentierer :-). Diesen Freitag schaffe ich nicht ganz aber NXT Week bin ich bestimmt wieder am Start. Und für diesen Armeisenhügel in Mayschoss packe ich mir besser mal ein paar Bleigewichte in die Satteltaschen, ist wie früher bei der DTM :-).
      CU
      PHIL

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