Von der Wertstoffsammlung zum Leckerbissen, Teil 1

Aktuell schreibe ich wenig in meinem Blog aber…. Dafür bin ich umso mehr in meinem Keller.

2 Projekte nehmen zur Zeit Gestalt an, ein weiteres Reisefahrrad auf dicken Sohlen befindet sich bereits im Praxistest. Es ist ein umgebautes Kona Ute Longtail welches nun auf 50 mm breiten Felgen die 29 x 3.0 Reifen behaust. Das andere Projekt ist die Restauration eines vor dem Schrott geretteten Rennrads, wie Phoenix aus der Asche wird ein neuer Randoneur aus dem Dunkel meines Kellers ans Tageslicht geführt werden….

Über das Kona wird es einen separaten Beitrag geben, an dieser Stelle nun Teil 1 der Restauration / des Umbaus.

Von der Wertstoffsammlung zum Leckerbissen

Es war einmal ein Nachbar welcher in seiner Garage wieder Platz benötigte…….

So fängt diese Geschichte an, er fragte mich ob ich ein paar Räder die bei ihm rumstanden verwerten wollte oder ob er Sie zur Wertstoffsammlung bringen sollte. Sehr zum Unwohlsein meiner Gattin bringe ich es nicht übers Herz Räder zu verschrotten. Daher holte ich umgehend die 3 „Imwegsteher“ in meinem Kellerreich. Nach Sichtung der Beute, alle in einem extrem üblen Zustand, wurden die Exponate, bis auf das ROWONA Rennrad, zerlegt und nach und nach in andere Projekte / Reparaturen verwertet.

Die Firma ROWONA ist seit 1973 ein Kölner Familienunternehmen welches in Handarbeit hochwertige Rahmen und Fahrräder fertigt. Es wird bis heute von Inhaber Rolf Wolfshohl geführt. Rolf Wolfshohl war von 1959 bis 1973 Berufsradfahrer und brachte es auf 12 WM-Medaillen, davon 3 goldene, 14 mal wurde er Deutscher Meister. Dieser Fahrradrahmen, gefertigt im Unternehmen eines Kölner Radhelden früher Tage, darf nicht zum Altmetall.

Rennräder sagen mir pers. wenig, das mag daran liegen dass ich beim Radeln mit den gummierten Felgen, bedingt durch eine zurückliegende Wirbelsäulenfraktur, Rückenschmerzen als Begleiterscheinung erfahre. Dies wird auch der Grund sein warum die unter Dreck und Öl versteckte Schönheit über 2 Jahre in meinem Keller verweilte ohne das ich Ihr eines Blickes gewürdigt habe.

Nun aber wurden die ersten Maßnahmen zur Reinkarnation durchgeführt und es gibt keinen Weg zurück. Mein Ziel dabei ist es so wenig wie notwendig an dem Rad zu erneuern, Instandsetzen und erhalten ist mein Leitfaden. Und dennoch möchte ich das Aussehen vom Rennrad zum Randoneur wandeln. Auf der Webseite http://www.bikecad.ca/ habe ich mir einen Entwurf angefertigt, es ist das Bild über den Beitrag. Ihr könnt bereits erkennen wo die Reise hingeht. Die Farbgebung ist noch nicht final entschieden, dennoch kann ich mich bereits sehr gut mit diesem Entwurf anfreunden.

Was bisher geschah:

Das Rad wurde demontiert, der Rahmen vom Lack befreit und entrostet. Zum Entrosten der Innenseite des Sitz- und des Steuerrohrs habe ich mir selbst eine Schleifvorrichtung wie auf den Bildern gezeigt angefertigt. Das funktionierte zuverlässig und schnell.

Die anderen Rohre wurden an der Innenseite mit einem Rostumwandler behandelt, nach dem Lackieren wird Hohlraumwachs folgen. Jetzt gerade ist der Rahmen noch nicht lackiert sondern lediglich grundiert. Das bleibt vorerst auch so, zumindest bis das Rad komplettiert ist und ich sicher bin das ich am Gefährt nichts mehr löten oder schweißen muss.

Da ich etwas dickere Reifen fahren möchte (32-622)  als beim original (22-622) musste ich den Bremssteg am Hinterbau umbauen. Leider habe vor dem Sägen kein Detailbild angefertigt aber der Steg war schlichtweg gerade. Nun ist er, wie auf den Bildern gezeigt, V-förmig gewölbt. So ist ausreichend Platz für Reifen und Schutzblech vorhanden.

Als nächstes habe ich das Vorderrad aufgearbeitet. Die Felge poliert, den Rundlauf wieder hergestellt und die Lager gereinigt / Geschmiert und eingestellt sowie ein neuer Schlauch und ein neuer Reifen montiert.

Die Kurbel, das zerlegbare Vierkant-Kurbellager und die Pedale sahen wirklich übel aus. Alleine für das Aufarbeiten dieser Teile sind 2 Abende drauf gegangen. Aber nach der chirurgischen Behandlung laufen alle Teile wieder einwandfrei, sie haben keinerlei Spiel und glänzen um die Wette. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Klar ist das ich mit diesen wiederbelebten Komponenten Regen oder feuchte Garagen meiden muss da sonst das italienische Blattgold schneller wiederkehrt als ich polieren kann. Wenn dabei die originalen Teile erhalten werden können, soll es mir die Arbeit der Sonderpflege und die Großpackung Balistol wert sein.

Die vordere Gabel und das Lenkkopflager waren die nächsten Teile welche meine Zuneigung erfahren durften. Der Rostbefall an der Vorderseite der Gabel ist fortgeschritten, wahrscheinlich durch die Steinschläge. Dennoch bleibt die Gabel mit etwas Patina erhalten. Die Bauteile haben bereits ihren Weg zurück in den Rahmen gefunden und funtionieren wie die anderen Komponenten einwandfrei.

Alle verbliebenen Teile haben bereits eine erste Reinigung erhalten um sie vom größsten Dreck zu befreien. NAch und nach werde ich die einzelnen Bauteile komplett zerlegen, aufarbeiten und erneut montieren. Aber anstehende Dienstreisen und andere Projekte haben nun wieder vorrang, sobald die Arbeiten weiter gehen werde ich den Fortschritt hier dokumentieren.

Deweil die Bilder des Arbeitsfortschrittes:

Gruß

Phil

  1 comment for “Von der Wertstoffsammlung zum Leckerbissen, Teil 1

  1. dc
    27. Januar 2016 at 9:36 PM

    Hmmmmmm sehr, sehr….lecker : )))

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