Tollwutpincher, Affen und Schlangen, 27. Mai, Udaipur – Killar, Himalaja, Indien

Tollwutpincher, Affen und Schlangen, 27. Mai, Udaipur – Killar, Himalaja, Indien

Am Morgen habe ich recht flott meine Sachen gepackt, Übung macht den Meister, und ich finde auch recht schnell das passende Lokal, um mein Frühstück zu bestellen. Das Interesse der Lokalbevölkerung an meinem Fahrrad und meinem Vorhaben ist wie immer recht groß, sodass ich mit einem Handwerkstrupp, ein paar LKW Fahrern, ein paar Kindern und den Ordnungshüter des Viertels im Nacken die Nahrungsaufnahme absolviere. Mittlerweile stört es mich nicht mehr
in der Öffentlichkeit eine Privatsphäre zu haben, welche einem Besuch eines FKK-Strandes gleich kommt. Ich sehe es positiv, der Tempel ist wenigstens ruhig.
Die Strecke zeigt sich heute recht gnadenlos, heiß wie ein Tandori Ofen, staubig wie ein Mehlsack und Plan wie ein Minenfeld, ok wer nach Outdoor schreit soll es hier bekommen. Der Verkehr reduziert sich auf maximal 3 Fahrzeuge die Stunde wovon Minimum einer ein Traktor ist. Da die Beschaffenheit der Straße so schlecht ist, bin ich es der die Traktoren einholt und nicht andersherum.

Mittendrin ändert sich die Umgebung um die Straße und ich fahre in einem Wald hinein. Zuerst sind es nur Nadelbäume, die konnte ich schon aus der Ferne riechen. Beim Einfahren im Wald wird man mit einer wohltuenden Kühle und einem betörenden Duft begrüßt, hat so etwas vom betreten eines Spa … zumindest nach 3 Tage Schluchtenradeln. Als sich später Laubbäume und Sträucher zur Vegetation hinzugesellen stockt mir kurz der Atem. Hinter einer Kurve lauern in einer Ruine eines Hauses bestimmt 40 Affen und schauen mich genau so an wie ich sie. Mein Respekt vor diesen Tieren habe ich schon in einem der vorangegangenen Beiträge verkündet, daher fahre ich auf der von den Affen entfernteste Straßenseite recht zügig, aber ohne Hektik, weiter. Einzelne Affen waren etwas unruhig / erschrocken, doch vor sich die Unruhe auf dem Rudel ausbreiten konnte war ich schon wieder von dannen.


Die Piste steigt an und der Wald lichtet sich wieder als plötzlich ein anderer Bewohner dieses Landstrichs meine Aufmerksamkeit forderte. Eine gut 150 cm lange Schlange windet sich gerade in einem Affenzahn (die hatten wir doch schon) über die Straße. Da sie genauso wenig von mir wollte wie der fliegende Holländer bei unserer ersten Begegnung ist das Erlebnis schneller vorbei als es gekommen ist. Lust nachzuschauen, wo sich das Reptil verkrochen hat, spüre ich so gar nicht, deshalb widme ich mich weiter meiner aktuellen Tätigkeit, in die Pedale treten.

Im darauffolgenden Ort muss ich leider feststellen das sich heute die Tierwelt gegen mich verschworen hat. Ein 3 cm² kleiner Hund meint mich aufessen zu wollen. Auf ein BUUUH meinerseits reagiert der Tollwutpincher leider mit noch mehr Engagement. Ich lege eine Vollbremsung hin und springe von meinem Rad um den Hund zu jagen, sofort mutiere ich nun für den Vierbeiner von Beute zum Jäger. Es bedarf keine weitere Interaktion mit dem Anabolikahamster, er hat meine Botschaft klar und deutlich verstanden, freies Geleit für Radfahrer.

Nach gut 82 Kilometer komme ich in Killar an, für eine Bezirkshauptstadt wirklich ein dreckiges Loch. Das letztendlich auserkorene Hotel gehörte, sagen wir mal , zu den besonderen auf dieser Reise. Wen ich aktuell, in der Lounge eines 5 Sterne Hotels in New Delhi sitzend, daran zurückdenke wird mir wieder sehr klar, WIE besonders.

Ein Bild der charmanten Sitzgelegenheiten (Armlehnen!) sollte reichen, um die starke Aura des Zimmers wiederzugeben. Ich hatte den Eindruck, das meine Packtaschen nach den 82 Kilometern Staubpiste in glühender Sonne gegenüber das Mobiliar aussahen wie 4 frische Mangos auf einem Haufen Pferdemist. Aber, dieses Hotel war wenigstens da, das was mein Navi anzeigte war, wie ich nach 5 km Bergauffahrt erfahren dürfte, seit 5 Jahren geschlossen. Zum Glück, den die betroffene Straße hatte, einen Eigengeruch wie eine Eberkolone in der Brunftzeit. Danke, also doch lieber mit Kusshand das Hotel mit der Einrichtung mit geringfügigen Nutzungserscheinungen. Wo Alternativen fehlen rekalibriert sich schon mal das eigene Wertesystem.

Am Abend unterhalte, zumindest wenn Wortfetzen eine Unterhaltung darstellen können, ich mich mit 2 Taxifahrer aus Jammu. Den angebotenen Alkohol sowie die Zigaretten lehne ich unter den Vorwand Sportler zu sein dankend ab. Das Argument wird ohne Widerworte akzeptiert, aber dafür muss ich etwas von dem Essen mitessen. Gut, das gegrillte etwas war spicy, warm und fettig aber auch das habe ich ohne Nebenwirkungen überlebt.

Nach der 160 Zeichen Kommunikation mittels InReach mit der Familie gehe ich zu Bett und hoffe, dass ich am kommenden Tag ein besseres Hotel erwische, so langsam mag ich nicht mehr in der Abdeckanstalt schlafen.

CU
Phil

 

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