Dienstag 17.06.2014, von Akhaltsikhe zum Green Lake, 62 Km – 1832 Hm

Erneute Aufbruchstimmung, die Sachen sind auf den Rädern verpackt und es zieht uns weiter gen Westen. Zwischen dem schwarzen Meer und uns liegt nur noch ein Hinderniss, der 2025 Meter höhe Goderdzi Pass. Wir müssen noch einmal durch die Stadt erneut an der Burg von Akhaltsikhe vorbei. Dabei merken wir beide sehr deutlich das sich die Räder mit dem reduzierten Gewicht viel leichter bewegen lassen.
Ungefähr 4 Km nach verlassen der Stadt biegen wir rechts ab auf die „1“ Richtung Zarzma. Kurz vor Benara, etwa 15 Km nach unserem Start, bekommt Josh Kniechmerzen. Vor einem Bergpass ist dies eine blöde Idee vom Knie. Wir legen erst mal eine kurze Pause ein und beschließen im gemäßigten Tempo nach Benara weiterzufahren und dort eine Pause einzulegen. So können wir dort die Lage in Ruhe einschätzen.
In Benara versorgen wir das Knie mit Sportsalbe, einem Verband, Besserungswünschen und einer halben Ibuprophen. Wir beschließen das Josh die Tagesetappe bestimmt, nur er kann sagen/fühlen wie weit sein Knie noch möchte. Die Abmachung ist dort das Zelt aufzuschlagen wo sein Knie es bestimmt.

Bei reduziertenm Tempo erreichen wir Zarzma wo wir nach einem Restaurant fragen. Die übersetzungsapp auf Joshua`s Handy leistet wieder super Dienste, ein paar Kids führen uns zu einem Restaurant. Im normalen Leben hätten wir niemals an diesem Gebäude angehalten denn der äußere Zustand ließ nicht darauf schließen das der Betrieb noch offen ist. Jedoch haben wir uns so langsam darauf eingestellt in einem Land unterwegs zu sein wo der Zerfall immer irgendwo sichtbar ist.

Es ist für unsereinst nur schwer nachvollziehbar warum die alten Gebäude, Industrieanlagen, oder Fahrzeuge einfach in der Gegend rumstehen müssen, statt diese zu entsorgen. Was uns sehr deutlich auffällt ist die unverantwortliche Art wie mit Müll umgegangen wird, auch von den Behörden. Vor der Stadt Tsalka war oben auf einem Berg eine Deponie auf dem Freigelände eingerichtet. In der kompletten Gegend herum befand sich kein Baum und kein Strauch der nicht voll, vom Wind davongetragen, Plastiktüten hing. Überall verstreut lagen PET Flaschen, leere Ölkanister und sonstiger Müll herum. Ganz zu schweigen von den Tierkadavern. Auch dies ist ein Bild von Georgien welches ich mitnehmen werde.

Nach dem köstlichen Mittagessen machten wir uns mit gedrosseltem Tempo weiter auf den Weg. Jetzt geht es in die Berge. Wir müssen von Ca. 900 auf 2025 Meter steigen. Sofern das Knie nicht mehr mitmacht haben wir vor ein Fahrzeug anzuhalten und nach einer Mitfahrgelegenheit zu fragen, dies hat ja bereits zwei mal hervorragend geklappt. Wir kraxeln gemütlich den Berg hoch und dabei Fragen wir uns wie bescheuert wir die vorherige Woche waren, das ganze Übergepäck den Berg hochzutragen. Der Anstieg ist einfacher und die Straße in einem besseren Zustand als erwartet. Die großen Laufräder mit den Breiten Pneus können auf dieser Strecken zeigen was für Vorteile sie bringen.

Pünktlich zum Nachmittagkaffee wird es selbstverständlich kalt, windig und es fängt an zu regnen. Zu allem werden wir wieder von Hirtenhunden angegriffen, diesmal hat der Hirte die Tiere jedoch nicht im Griff – oder will sie nicht im Griff haben. Die mittlerweile von uns Standardmäßig mitgeführten Steine verrichten Ihre Dienste zuverlässig und wir können nach einigen Adrenalin Schüben unsere Reise ohne kleffender Bagage fortsetzen.

Während des gesamtem Anstiegs, kommt kein geeignetes Fahrzeug vorbei welches unsere Räder hätte verladen können. Schlimmer noch, aus der anderen Richtung haben wir bereits 8 Stück gezählt. Mittlerweile nähern wir uns dem Gipfel und können bereits die ersten Sommeralmdörfern sehen. Dort wimmelt es wieder von unfreundlichen und angriffslustigen Hunden. Wir machen eine Pause und plötzlich hören wir schwach ein schweres Motorengeräusch. Hoffnung keimt auf, Josh`s Knie zu entlasten und den Hirtenhunden zu entkommen. Wir sind noch nicht sicher aus welcher Richtung das Fahrzeug kommt und ob Platz für uns vorhanden ist da erblicken wir einen schweren LKW der aus der richtigen Richtung kommt. Es ist ein Kamaz der uns zum Anfang des Anstiegs entgegengekommen ist. Nun kraxelt er schwer beladen den Berg hinauf. Wir geben Handzeichen und er hält wie selbstverständlich an. Es sitzen bereits Fahrer, Beifahrer und drei andere Backpacker im Füherhaus, daher bleibt für uns die lademulde übrig. Alle packen mit an um die schweren Räder in die Mulde zu heben und wir legen uns dazu. Der Hohenmesser vom GPS zeigt 1879 Meter. Diesmal haben wir unsere Mitfahrgelegenheit 150 Höhenmeter vor dem Gipfel gefunden.

Hoch zu Ross geht es in gemäßigtem Tempo an den Dörfer und den Hunden vorbei. Wir sind beide erleichtert. Der Gipfel wird zügig und ohne weitere Vorkommnisse erreicht, die Georgischen Backpacker und wir steigen aus. Der Fahrer des LKW weigert sich von uns etwas anzunehmen und verabschiedet sich freundlich von uns. Wir gehen gemeinsam mit den 3 Wanderern in den gegenüber liegenden „Supermarkt“ mit „Restaurant“. Während unser Essen zubereitet wird, ziehen wir uns trockene und Warme Sachen an, denn es ist kalt und Nebelig.

Die Georgier haben sich zu den bereits anwesenden an den Tisch gesetzt und sind bereits intensiv damit beschäftigt hochprozentiges zu konsumieren. Wir hingegen erhalten unsere warme Milch, die Ei-Käsepfanne und Brot. Ich bin überzeugt keine der Tische möchte ihr Gedeck tauschen :-). Die Milch kommt hier oben quasi von der Kuh auf den Herd in unserer Tasse und schmeckt hervorragend.

Nach dem Essen hat es aufgehört zu regnen und der Nebel hat sich verzogen. Der Ausblick ist atemberaubend, bei uns beiden spielt dass gleiche Lied im Kopf….Über den Wolken….
Die Frage nach dem Schlafen ist noch zu klären, wir sind müde und es ist in 2 Stunden dunkel. Es besteht die Option ein 200 m weiter befindliches Hotel zu nutzen, zum 7 Km entfernten Green Lake zu fahren, oder weiter zu fahren. Auf meinen Wunsch hin fahren wir zum Green Lake, 7 Km sind ja schließlich ein Katzensprung und das Knie ist derweil Ok. Auf den folgenden Kilometern erleben wir einige neue „best of`s“ unserer Reise: schlechteste Straße, matschigste Straße, schönster Ausblick und freundlichste Menschen.

Als wir nach anstrengenden 7 Kilometern auf 2161 Meter am Lake ankommen liegt dieser in einem dicken nebel und in 15 Minunten wird die Sonne untergehen. Das einzige was wir vom Lake mitbekommen ist ein ohrenbetäubendes Froschkonzert. Wir konzentrieren uns auf die zu erledigenden Dinge und suchen einen geeigneten Platz um das Zelt aufzustellen. Sobald dieser gefunden ist räumen wir die Schicht Hagelkörner beiseite damit wir nicht auf einem Eisblock schlafen müssen. Das Zelt ist auch in völliger Dunkelheit binnen 15 Minuten aufgebaut und eingerichtet und wir machen uns daran das Lagerfeuer zu entzünden. Das trockene Holz für die Initialzündung hat Joshua bereits vor dem Einsetzen des Regens eingesammelt, daher klappt es relativ schnell ein wärmendes Feuer zu genießen. Der Tag endet mit Lagerfeuergesprächen und der Erkenntnis das wir so eine Nummer vor einer Woche noch nicht durchgezogen hätten.
Josh und Phil

  5 comments for “Dienstag 17.06.2014, von Akhaltsikhe zum Green Lake, 62 Km – 1832 Hm

  1. Kay
    20. Juni 2014 at 9:59 PM

    Was für ein Foto!

  2. dc:)
    21. Juni 2014 at 4:22 PM

    Ich kläre das mal auf: das in den braunen Flaschen ist keine Bio Milch und kommt auch nicht von der Kuh,))

    • 21. Juni 2014 at 9:33 PM

      Ach so, deshalb der Schaum? 🙂

  3. 27. Juni 2014 at 8:07 AM

    Hallo Ihr Zwei,
    ich weiß noch als wir uns bei Rainer im Kartli über den Pass unterhalten haben. Meinen Respekt habt ihr, denn ich weiß wie es dort oben aussieht.
    Hoffe es geht euch gut und eure Reise verläuft so wie ihr euch das vorgestellt habt.
    Wir sind nun nach 9000km Motorradfahren auch wieder in der Heimat.

    Euch noch eine schöne Zeit.
    Viele Grüße
    Christian

    • 27. Juni 2014 at 9:07 AM

      Hallo Christian,
      schön das Ihr euch alle wohlerhalten wieder in der Heimat befindet. 9000 Km sind ein Wort! Euer Allerwertester hat Resistenz bewiesen :-). Dass die Harley diese Strecke bei den Straßenverhaltnissen durchgehalten hat ist Genial, dafür mein Respekt.

      Wir sind mittlerweile wieder bei Rainer im Hotel Kartli und packen gerade unsere 7 Sachen zusammen. Morgen fliegen wir dann auch in Richtung Heimat.
      Grüße aus Tiflis
      Josh und Phil

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