Mittwoch 18.06.2014, Green Lake nach Batumi, 125 Km, 1276 Hm hoch und 3363 Hm runter

Nach einer ruhigen Nacht stehe ich vor 8 Uhr auf und fange an die Räder zu warten und die Sachen zu packen. Unsere Ponnys sind derart eingeschlammt, da kann sich jede Fango Packung eine Scheibe von abschneiden. Was dem Wohlbefinden der Körpers dienlich ist, ist es unseren Rädern jedoch nicht. Also mit der mitgeführten Zahnbürste den Antriebsstrang und die zugeklumpte Bremsanlage vom Dreck befreien. Kette schmieren und anschließend unsere Lastenesel beladen.
Um halb zehn sind wir Startklar und müssen zwar die 7 schwierigen Kilometer zurück, aber es geht ab jetzt überwiegend Bergab. Erster Anlaufpunkt wird unser Restaurant vom Vortag.
In einer zu engagiert genommenen Bergabpassage hole ich mir einen sogenannten „snake bite“, mein Schlauch ist durch das Durschlagen an einer Steinkante an 2 Stellen perforiert. Also Zwangspause einlegen und dabei den Schlauch reparieren. Da sich dieser Vorgang in der Nähe der Hütten abspielt sind wir nicht lang alleine.

Großvater gesellt sich mit seinen Enkeln zu uns und betrachtet das treiben mit großer Neugier. Die anwesenden sind alle sehr freundlich und erhalten von uns auch nach bestem können die erfragten Informationen. Während des Reparaturvorgangs werden wir mehrfach gefragt ob wir etwas zu essen oder zu trinken benötigen und nebenbei zeigt mir Großvater seinen gerissenen Stiefel. Hier oben in den bergen, bei dem Regen, wahrscheinlich ein Desaster. Nach Beendigung der Schlauchreparatur mache ich mich daran den Stiefel zu flicken. Auch diese Aktivität, wird mittlerweile von einer ausgewachsenen Fangemeinde aufmerksam verfolgt. Der Großvater ist sehr erfreut über den instandgesetzten Stiefel und nun kommen wir an der Einladung nicht vorbei. Wir einigen uns auf einen türkischen Kaffee und erhalten diese Köstlichkeit neben ein paar Süßigkeiten von Großmutter gebracht.
Plötzlich kommt ein reges Treiben auf, vielmehr die Herren der Schöpfung weisen reges Treiben an. Die 3 Chefs, weisen eine Frau an, die Wasserleitungen aus dem Boden zu reißen und das Vor dem Haus stehende Waschbecken abzubauen. Die Ursache für die Aktivitäten wissen wir bereits. Vor einigen Kilometern haben wir einen Bagger überholt der, nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage, die Straßen wieder in Ordnung bringt. Als „BABO“ eindrucksvoll seine Erdarbeiten verrichtet, nutzen wir die Triebsamkeit, uns für den Kaffee zu bedanken und uns zu verabschieden.

Als wir endlich um 11 Uhr im Restaurant ankommen, sieht alles aus wie am Vortag. Hochprozentiges fließt bereits in Mengen und wir erhalten das gleiche Menü. Um 12 machen wir uns wieder auf den Weg. Die Abfahrt macht richtig Spaß wir müssen fast 20 Kilometer nicht treten. Die herausforderung ist eine andere. Bei den abenteuerlichen Straßenverhältnissen nicht zu stürzen. Hochstleistungen hingegen, verbringen aktuell unsere Bremsen. Die von mir vor der Reise überholten AVID CR sind wahre Wurfanker. Auch nach einer Stunde Dauerbremsen kein fading, kein Quitchen und kein nachlassen der Leistung. „Einfingerbremsen“ reicht nach wie vor, und das bei unserer Zuladung.

Nun ist es Josh der sich einen snake bite zuzieht. Während ich den Schlauch repariere befreit er unsere Antriebe erneut vom dicken Schlamm und spendiert den Ketten ein neue Ölung. Wir erhöhen den Tastendruck ein wenig und machen uns nach 20 min wieder auf den Weg.
Etwas irritiert sind wir im Tal wo die Seilbahn verläuft. Das gesamte Umfeld der Masten wird mit Musik beschallt obwohl die Gondeln nicht fahren. Irgend eine orientalische techno Mucke begleitet uns nun bei der Abfahrt. Wie halten die Anwohner das den ganzen Tag nur aus?

Wir streichen Kilometer um Kilometer und Höhenmeter um Höhenmeter ein. Die Abfahrt beflügelt. Nach zweieinhalb Stunden machen wir eine Essenspause. In unserer Voratstasche haben einige Lebensmittel, welche die Rüttelpiste nicht überstanden haben. Im Gegensatz zu den deformierten Bananen geht es dem Knie von Josh wieder besser. Offensichtlich heilen Glückshormone und die Aussicht auf Palmen und Strand. Wir wollen beide raus aus den verregneten Bergen und bis nach Batumi kommen.

Ab Khule finden wir wieder Asphalttierte Straßen vor und von nun an kann sich Josh in meinen Windschatten hängen und wir spielen D-Zug. Es läuft wie am schnürchen und wir erreichen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 30 Km/H. Und dies bei einem sehr kräftigen Gegenwind. Wir müssen sogar bergab treten um nicht zum Stillstand zu kommen. Als wir bereits unter 150 hm. und nur noch 35 Km von unserem Ziel entfernt sind, läuft wie am schnürchen. Ich fahre vorne und Josh folgt auf Schritt und tritt. Bei uns beiden werden neue Kräfte entfacht. Ich sage regelmäßig die Höhe durch und Josh die Tagesfahrleistung, Achtung Trommelwirbel…. Die 100 km sind voll. Jetzt ist es bereits relativ flach aber es gibt kein halten mehr. Nach 120 Km stehen wir sehr glücklich an der Strandpromenade von Batumi. Bis wir ein Hotel gefunden haben wo wir unsere Räder auch sicher unterstellen können haben wir 125 Km auf der Uhr. Dabei wurden 3363 Höhenmeter vernichtet und 1276 errungen, eine stramme Leistung mit unseren Rädern und dem Gepäck.

Das Hotel in dem wir unterkommen, Hotel Nia, entpuppte sich als Stundenhotel. Die Geräuschkulisse war entsprechend und in unserer sarkastischen Stimmung vergaben wir Noten zu den dargebotenen akustischen Leistungen. Am nächsten Morgen verließen wir entgegen der ursprünglichen Planung das Hotel und fuhren erst einmal an den Strand um ein Frühstück einzunehmen. Was bereits um 11 Uhr morgens am Strand von Batumi los ist verschlägt einem die Sprache. Die Strandbars haben die Stereoanlagen bereits auf Anschlag und versuchen sich gegenseitig mit bling bling und bum bum zu übertrumpfen. Die Lage am Strand spiegelt die Situation der Stadt 1:1 wieder, kein Ort an dem wir verweilen möchten. Nach dem Frühstück ziehen wir weiter in den 8 Kilometer entfernten Ort Makhinjauri. Als wir eine Polizeistreife nach dem Weg fragen werden wir mit Blaulicht zum Hotel eskortiert. Auch mal schön. Ich hole mir noch einen Plattfuss aber schaffe es noch bis zu unserer neuen bleibe.
Wir legen einen Wartungstag ein, alle Klamotten und die Schlafsäcke werden gewaschen und die Räder gepflegt. Bei mir hat eine Schweissnath eines Flaschenhalters aufgegeben und bei Josh die Halterung des hinteren Schutzbleches. Alles Dinge die mit Kabelbindern und Panzerband bis Tiflis halten werden.
Wir verabschieden uns mal für ein paar Tage vom Sattel und werden ein wenig am Strand des schwarzen Meeres bei 35 Grad im Schatten chillen.
Unser Plan ist es bis Donnerstag wieder in Tiflis zu sein. Hierfür werden wir die Strecke über Kutaisi wählen da diese zwischen dem großen und kleinen Kaukasus Gebirge verläuft und die flachste Möglichkeit ist in die Hauptstadt zu kommen.

Wir melden uns noch einmal vor der Abfahrt aus Makhinjauri
Josh und Phil

 

PS: wer als Backpacker eine günstige und saubere Bleibe in der Nähe von Batumi sucht ist hier bestens bedient:

Guesthouse Wooden Cottage, 11 Megobrobis street, Tel +995 593 905 960, woodencottage@mail.ru. es ist einfach zu finden, von Batumi kommend hinter der Polizeistation die erste Piste rechts, 50 m weiter steht man auf den Hof der Nr. 11.

  10 comments for “Mittwoch 18.06.2014, Green Lake nach Batumi, 125 Km, 1276 Hm hoch und 3363 Hm runter

  1. Holgi
    21. Juni 2014 at 12:06 AM

    Hey ihr Freaks,

    Ihr lasst es euch ja richtig gut gehen.
    Stundenlanger Downhill, lecker Essen, 35 Grad und dann auch noch Stundenhotel.
    Fett Respekt bzgl. eurer Kondition 😉
    Dann genießt mal jetzt die Sonne und den Müßiggang, ihr habt ihn euch redlich bzw. rädlich verdient!
    Freue mich jetzt schon auf den gemeinsamen Bilderabend (lasse aber die Harz-Bilder zu Hause, is zu peinlich wg. fehlender Adventure-Message :).

    Bis neulich!
    Ride free
    Holgi

    • 21. Juni 2014 at 8:24 AM

      Hi Holgi,
      dann haben wir doch schon ausreichend Ersatzprogramm für „Schlechtwettermittwoche“, Harz “ Brockenbilder“ und Batumi „Chickenbilder“ anschauen :-). Ich freue mich schon wieder auf das gemeinsame Radeln……und am meisten auf die Storys dabei. Am 02.07. können wir wieder gemeinsam die Tomburg erstürmen.
      Cu Phil

  2. Kay
    21. Juni 2014 at 12:08 AM

    Fotos und Berichte werden immer besser. Macht großen Spaß zu lesen und zu gucken! Euch weiterhin viel Spaß und „Hals- und Beinbruch“!

    • 21. Juni 2014 at 8:30 AM

      Hallo Kay,
      merci mon ami. Ich kann ja nicht ständig Josh zutexten, der würde doch irre. So kann ich mein Kopfkino, gefahrlos für die direkte Umwelt, loswerden.
      Ab 28.06. bin ich zwei Wochen in Deutschland, vielleicht gehen wir dann mal schnabulieren?
      Greets from the black see
      Phil

  3. dc:)
    21. Juni 2014 at 4:37 PM

    Hey Phil du Multitalent:)) deine Schreibe ,die Bilder,dein Sohnemann und Du sind einfach super. Bleibt doch noch ein bisschen da;) ich richte auch ein spendenkonto für euch ein und du schreibst noch ein bisschen weiter. Have muchas funnas & reläxas!

    • 21. Juni 2014 at 9:37 PM

      Das mit dem Spendenkonto ist keine schlechte Idee. Aber es ist noch Hoffnung in Sicht, im nächsten Jahr schließt Ric seine Lehre ab dann gibt es wieder eine Reise und entsprechende Berichte. Nur das Land steht noch nicht fest, allerdings wird es bei Rics aktueller Kondition Erftstadt – Domburg und Zurück :-). Spass bei Seite das Zielland ist noch nicht definiert, ich könnte mir aber Armenien gut vorstellen.

  4. Lisa
    21. Juni 2014 at 8:12 PM

    Philip, ich bin schwer begeistert von Deinen Reiseberichten von Georgien. Da bekommt man richtig Lust auf so einen Trip, obwohl ich garantiert gnadenlos dort untergehen würde. Genießt es, Ihr werdet es bestimmt nie vergessen „Euer großes Abenteuer“. Bis in einer Woche in schönen Erftstadt, wo man auch Fahrrad fahren kann. Franz und ich sind heute 45 km durch die Ville gefahren, mit Rast an einem schönen See, endlose Stille, nur unterbrochen durch das Gezwitscher der Vögel und das Quaken der Frösche. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Euch. Lisa 🙂

    • 21. Juni 2014 at 9:40 PM

      Hallo Lisa,
      du in meinem Blog! Yeah! Na im nächsten Jahr ist Ric an der Reihe und in 2 Jahren können Du und Franz dann auch mitfahren, wie sieht es den aus mit der Monolei? Bis nächste Woche in der Heimat.
      Phil

      • Lisa
        21. Juni 2014 at 11:04 PM

        Hättest Du nicht gedacht, ne!!! Bin ne treue Seele.
        Fußball wäre jetzt auch geschafft. 2:2, noch mal Glück gehabt.
        Jetzt geh ich die Heia, wünsch Euch auch eine gute Nacht.

        • 22. Juni 2014 at 5:53 PM

          Danke Lisa, so ist man immer auch ein wenig daheim :-).

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